SPD - in Hasbergen zu Hause

Chronik der SPD Hasbergen

Der Neuanfang nach dem 2. Weltkrieg

Am 1. und 2. April 1945 zogen britische Truppen in Hasbergen ein. Es kam zu Kämpfen mit Resten der Wehrmacht, vornehmlich im Gebiet des Plessens und der Bassenhorst, die aber nur kurze Zeit dauerten. Dabei wurden einige Häuser Hasbergens schwer beschädigt. Für Hasbergen und bald auch für ganz Deutschland war die Zeit der NSDAP-Herrschaft vorbei. Zu Anfang der Besatzungszeit war zunächst eine politische Tätigkeit jeder Art verboten. Bald aber wurden von den Militärregierungen in den einzelnen Gemeinden Bürgermeister eingesetzt. So wurde in Hasbergen auf Vorschlag des Landrats Bubert der Mitbegründer des Ortsvereins Hasbergen-Ohrbeck, Fritz Temme, zum Bürgermeister ernannt. In Ohrbeck wurde Friedrich Schirmbeck Bürgermeister, der vor 1933 schon viele Jahre Mitglied der SPD gewesen war. In Gaste blieb von 1945 – 1946 noch der bisherige Bürgermeister Wilhelm Thies im Amt.

Diese Bürgermeister mussten ein verantwortungsvolles und schweres Amt antreten. Überall mussten die Folgen des Weltkrieges überwunden werden. Fast 2.500 Flüchtlinge und Vertriebene strömten in die drei Gemeinden, und für alle musste eine Unterkunft besorgt werden. Es ist sicherlich nicht zuletzt dem Geschick dieser drei Männer und auch dem guten Willen der Bevölkerung zu verdanken, dass alle diese Aufgaben rasch und ohne große Schwierigkeiten bewältigt werden konnten. In Ohrbeck waren die Schwierigkeiten besonders groß. Hier befand sich das Lager für Fremdarbeiter der Klöcknerwerke, dessen Insassen von der Gemeindeverwaltung entlohnt werden mussten. Doch Friedrich Schirmbeck gelang es mit sehr viel Geschick, auch diese sicherlich nicht leichte Aufgabe zu bewältigen. Die im großen Maße bäuerlich strukturierte Gemeinde Gaste hatte ebenfalls enorme Probleme, die Flüchtlinge unterzubringen, da freie Wohnungen nicht vorhanden waren.

Im September 1945 erlaubte die Militärregierung die Gründung politischer Parteien. Schon am 1. November 1945 wurde dann unter Führung des SPD-Mitglieds Hermann Fißbeck der Ortsverein Hasbergen-Ohrbeck wiedergegründet. Er hatte den Vorsitz bis 1952 inne. Spätestens seit diesem Jahr ist der Aufbau in den ehemals drei Gemeinden und ab 1971 in der Einheitsgemeinde mit dem Wirken der SPD eng verknüpft.

Hermann Fißbeck war zu der Zeit bereits Mitglied des Kreistags - in dem er 20 Jahre als Fraktionsvorsitzender der SPD zum Wohle der Allgemeinheit wirkte - und Mitglied des Hannoverschen Landtags. Schon bald nach der Wiedergründung der Partei besaß der Ortsverein über 130 Mitglieder. Die politische Tätigkeit in den Gemeinden, die für zwölf Jahre zwangsweise unterbrochen worden war, konnte wieder aufgenommen werden.

Im Jahre 1946 wurde erstmalig nach dem Zweiten Weltkrieg wieder eine Gemeindevertretung gewählt. Die Bürgermeister Fritz Temme und Friedrich Schirmbeck wurden in ihren Ämtern bestätigt. In Gaste wählte der Rat den Sozialdemokraten Johann Nieberg zum Bürgermeister.

Mit ihnen zogen viele tatkräftige SPD-Mitglieder in die Gemeindevertretungen ein, denen für die nächsten Jahre schwierige Aufgaben bevorstanden. In Hasbergen konnte schon 1946 die Badeanstalt wieder in Betrieb genommen werden. Sie wurde in mühevoller Arbeit gereinigt und ausgebessert. Durch den Zustrom der Flüchtlinge und Vertriebenen war die Bevölkerungszahl der Gemeinden beträchtlich angestiegen. Deshalb wurde rasch ein Wohnungsbauprogramm in Angriff genommen. Neue Siedlungsgebiete mussten ausgewiesen werden. Der nötige Schulraum war nicht vorhanden. Daher musste die Schule in Hasbergen erweitert und in Ohrbeck eine neue Schule errichtet werden. Es waren also viele große Aufgaben zu bewältigen, alle verlangten Initiative und Geschick der Gemeindevertretungen und Geld, viel Geld. Jetzt erwies es sich als nachteilig, dass die drei Gemeinden überwiegend Siedlungsgemeinden waren. In Gaste gab es das Amazonenwerk. Die Firma brachte und bringt auch noch eine ansehnliche Summe Gewerbesteuer in die Gemeindekasse. Im Übrigen war das Gewerbesteueraufkommen sehr gering, und größere Geldmittel standen somit nicht zur Verfügung. In dieser schwierigen Situation waren es oft SPD-Mitglieder des Gemeinderates, die mutig und tatkräftig alle Probleme anfassten und lösten. Dass bei einer so großen Zahl von Aufgaben nicht gleich die Wünsche aller Bürger erfüllt werden konnten, dass an manchen Stellen improvisiert werden musste, ist wohl mehr als verständlich.

1952 wurde Hermann Buchhold zum SPD Vorsitzenden gewählt, er übte dieses Amt bis 1966 aus. Für sein Engagement in dieser schwierigen Zeit ernannte ihn die SPD zum Ehrenvorsitzenden. Er starb 1995 im Alter von 93 Jahren.

Im Jahre 1952 wurde Wilhelm Bardelmeier von der Gemeindevertretung zum Bürgermeister von Hasbergen gewählt, in Ohrbeck übte dieses Amt Friedrich Schirmbeck bis zu seinem Tode im Jahre 1964 aus. In Gaste löste 1950 Friedrich Mutert (SPD) den bisherigen Bürgermeister Nieberg ab. Von 1968 bis 1971 war Erich Auping Bürgermeister.

Auch in dieser Zeit wurden die Aufgaben der Gemeinden nicht kleiner. Es zeigte sich, dass die alte Badeanstalt nicht mehr den modernen Anforderungen genügte. In den Jahren 1956 bis 1960 wurde sie völlig umgebaut und modernisiert und war ein Schmuckstück der Gemeinde Hasbergen, um das sie von vielen sicherlich wohlhabenderen Gemeinden beneidet wurde. Trotz ständiger Anpassung an die sich ändernden gesetzlichen Bestimmungen und häufiger Reparaturen musste sie dann im Jahre 2000 –vorerst- stillgelegt werden. Die notwendig gewordenen größere Investition sowie die Personalkosten überforderte die Gemeindekasse.

Eine weitere große Aufgabe für die Gemeinden war die Versorgung der alten und neu erstandenen Wohngebiete mit Wasser und die Verlegung einer Kanalisation.

Es zeigte sich dann auch bald, dass die Räumlichkeiten der Schulen trotz der Ausbauarbeiten bei weitem nicht ausreichten. Die Planung eines geschlossenen Schul- und Sportzentrums wurde in Angriff genommen. Als erstes Projekt wurde die Errichtung eines neuen Schulgebäudes des Schulzweckverbandes Hasbergen-Ohrbeck neben der Gemeinschaftsschule begonnen. Im Jahre 1966 konnte dieses Gebäude eingeweiht werden. Inzwischen hatten sich auch die Raumverhältnisse an der Gemeinschaftsschule in Hasbergen derart verschlechtert, dass sie für Lehrer und Schüler unzumutbar geworden waren. Eile tat Not! Tatkräftig wurde sofort der Bau eines neuen, großen Schulgebäudes begonnen.

Dieser Bau war besonders dringend geworden, weil im Rahmen der Schulreform die Hasberger Gemeinschaftsschule zur Mittelpunktschule erklärt worden war, die auch die Schüler der Oberstufenklassen aus Ohrbeck, Gaste und Natrup-Hagen besuchten. Im Februar 1968 konnte ein modernes Schulgebäude bezogen werden.

Alle diese Aufgaben in der Gemeinde Hasbergen mussten gelöst werden, obwohl die Finanzlage der Gemeinde weiterhin sehr schlecht war. Hier war Weitsicht und Mut gefragt. Besonders zu erwähnen ist dabei Ratsmitglied Günter Fischer, der sich als Fraktionsvorsitzender und  Vorsitzender des Schul- und Sportausschusses erfolgreich für die Überwindung aller aufkommenden Schwierigkeiten einsetzte. Er übernahm ebenfalls 1966 nach Hermann Fißbeck das Amt des Fraktionsvorsitzenden der SPD im Kreistag. 1966 wurde Willi Bobbert Vorsitzender der SPD Hasbergen. Er stellte sich 1978 nicht mehr zur Wahl und wurde von Gerd Köpke abgelöst.

Auch die Gemeinde Ohrbeck bewies, dass sie eine ihrer wichtigsten Aufgaben darin sah, für die körperliche und geistige Ausbildung der Jugend zu sorgen. So konnte unter maßgeblicher Mitwirkung der SPD-Mitglieder im Gemeinderat der Bau einer vorbildlichen Sportplatzanlage begonnen werden. Des weiteren wurden große Flächen als Baugebiete zur Verfügung gestellt, eine neue Schule gebaut und trotz angespannter finanzieller Bedingungen eine Friedhofskapelle fertig gestellt.

Zu Beginn des Jahres 1969 befassten sich die Gemeinderäte mit der Verwaltungs- und Gebietsreform Niedersachsens. Nach schwierigen Verhandlungen, Gesprächen und auch verständlichen Widerständen (besonders zwischen den Gemeinden Hasbergen und Gaste), schlossen sich 1969 die bis dahin selbständigen Ortsteile Gaste, Ohrbeck und Hasbergen freiwillig zur größeren Gemeinde Hasbergen zusammen.