SPD - in Hasbergen zu Hause

Chronik der SPD Hasbergen

Die Gründerjahre bis zum Ende des 2. Weltkrieges

Bis zum freiwilligen Zusammenschluss der Gemeinden Gaste, Hasbergen und Ohrbeck am 1. 1. 1971 bestanden zwei selbständige Ortsvereine im jetzigen Gemeindegebiet. Während für Hasbergen und Ohrbeck ein gemeinsamer Ortsverein im Jahre 1919 gegründet wurde, organisierten sich die Sozialdemokraten in Gaste im Jahre 1920. Aber bereits Jahre vorher gab es politische Tätigkeit von Bürgern in diesen Gemeinden, die für soziales Ideengut und soziale Gerechtigkeit eintraten. Lockere Zusammenkünfte fanden statt, bei denen häufig Mitglieder aus älteren Ortsvereinen der SPD Anregungen gaben. Aus dieser Zeit sind noch die Namen von Heinrich Birkenkämper (Gaste), August Fißbeck, Fritz Hilgediek, Heinrich Hilgediek (alle Hasbergen) und Hermann Echelmeyer (Ohrbeck) bekannt. Sicherlich waren es noch einige mehr, doch da eine Chronik zu der Zeit nicht geführt wurde, sind ihre Namen nicht mehr festzustellen.

Nach den Wirren des ersten Weltkrieges war dann der Weg für eine aktive politische Tätigkeit in den Gemeinden frei. Im Frühjahr 1919 fand in der Gastwirtschaft Wessel (heute Zur Holzheide) die Gründungsversammlung des Ortsvereins Hasbergen-Ohrbeck statt. Er wurde damals unter dem Namen „Sozialdemokratischer Wahlverein" geführt. Zu den Gründern gehörten Fritz Ridder, Fritz Wehrmeyer, Rudolf Brönstrup, Hermann Echelmeyer, Fritz Suhre, Fritz Temme, Gustav Wilsmann und Johann Meißner. Rudolf Brönstrup war der erste Vorsitzende des Vereins.

In Gaste gehörten Hermann Brömstrup, Heinrich Deuper, Friedrich Elstroth, Heinrich Leeker, Wilhelm Lutterbeck und Friedrich Mutert zu den ersten Mitgliedern.

Es war damals Mut und starke politische Überzeugung nötig, sich zur Sozialdemokratie zu bekennen; denn die Mitglieder der Partei und Besucher der Parteiversammlungen mussten häufig mit Benachteiligungen im Berufsleben rechnen. Doch viele Bürger Gastes, Hasbergens und Ohrbecks besaßen diesen Mut. Schon kurze Zeit nach der Gründungsversammlung hatte die SPD Hasbergen-Ohrbeck bereits 134 Mitglieder. Zu einer fruchtbringenden politischen Tätigkeit war also der Weg frei, da auch die Unterstützung der Bevölkerung vorhanden war.

Schon am 1. Mai 1919 wurde in Hasbergen ein großer Mai-Umzug durchgeführt, zu dem alle Bauern der Gemeinde Gespanne zur Verfügung stellten. Die Fahne für den Umzug wurde von den Ehefrauen der Mitglieder in mühevoller Handarbeit genäht und bestickt. Sie muss aber wohl nicht sehr dauerhaft gewesen sein oder den Ansprüchen vieler Parteimitglieder nicht genügt haben, denn schon im Jahre 1922 wurde in den Räumen und Anlagen der Gastwirtschaft Helmer eine neue Fahne geweiht. Mitglieder der SPD, die in den Jahren von 1919 bis 1933 in die Gemeindeausschüsse gewählt wurden und tatkräftigen Anteil an der Entwicklung der Gemeinden nahmen, waren unter anderem in Hasbergen: Fritz Ridder, Fritz Wehrmeyer, Fritz Bardelmeyer, Lisette Geselbracht, Friedrich Buchholz, August Echelmeyer, Wilhelm Schulte und Karl Wirths. Fritz Wehrmeyer war stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Hasbergen. In Ohrbeck: Hermann Echelmeyer, Rudolf Betmann, Heinrich Brockmeier und Anton Schirmbeck.

In den Kreisausschuss wurden vom Ortsverein Hasbergen-Ohrbeck Hermann Echelmeyer und in den Bezirksausschuss Fritz Wehrmeyer gewählt. Von Gaste kam der Genosse Oellerich in den Kreisausschuss.

Im Jahre 1922 wurde in Hasbergen und Ohrbeck der „Arbeiter-Radfahrverein Solidarität Frischauf" gegründet, dessen Mitglieder vorwiegend der SPD angehörten. Der erste Vorsitzende des Vereins wurde der Mitbegründer des SPD-Ortsvereins Hasbergen-Ohrbeck: Fritz Temme. Dieser Verein vollbrachte in den Jahren nach 1922 nicht nur beachtliche sportliche Leistungen - so nahmen mehrfach Mannschaften des Vereins an Gaumeisterschaften im Radball teil -, sondern er beteiligte sich auch überaus aktiv am politischen Leben in den Gemeinden. In diesen Jahren wurde die Wahlkampfarbeit der SPD hauptsächlich von diesem Verein getragen. Das war nicht immer ganz ungefährlich. Die Wahlplakate mussten während der Nacht geklebt werden, um Reibereien und Streitigkeiten mit Wahlkampfgruppen anderer Parteien zu vermeiden. Häufig waren die Plakate am anderen Tage wieder verschwunden und mussten erneut angeklebt werden.

Der Radfahrverein machte auch in privater Hinsicht seinem Namen „Solidarität" alle Ehre. So war es selbstverständlich, dass sich die Mitglieder bei der Bewältigung großer Vorhaben gegenseitig halfen. Bei Hausbauten traten die aktiven Sportler vollzählig an, spannten sich selbst in die Kippkarre und sorgten so dafür, dass die Ausschachtungsarbeiten zügig vorangingen. Es war sicherlich auch ein willkommener Zusatzerfolg, dass sich diese Arbeit als ein vorzügliches „Konditionstraining“ erwies.

Als dann 1930 der Bau der Badeanstalt in Hasbergen in Angriff genommen wurde, war es selbstverständlich, dass auch die aktiven Sportler des „Arbeiter-Radfahrvereins Solidarität Frischauf" tatkräftig Hand anlegten. Der Bau der Badeanstalt war auf Grund der Initiative des Gemeinderatsmitglieds Lehrer Friedrich Kuhle begonnen worden. Er hatte die Unterstützung fast aller Mitglieder des Gemeinderats, so auch besonders der SPD-Mitglieder, gewonnen. Der SPD-Abgeordnete des Gemeinderats Hasbergen, Ernst Schröer, half während dieser Zeit, in der er, wie viele andere in Deutschland, arbeitslos war, ein ganzes Jahr unentgeltlich beim Bau der Badeanstalt. Als dann der Bau im Jahre 1933 beendet war, hatte Deutschlands schwärzeste Zeit, das „Tausendjährige Reich", begonnen. An der Einweihung der Badeanstalt durften noch alle aktiven Helfer teilnehmen, dann wurde ihre Tätigkeit für die Gemeinden Hasbergen und Ohrbeck beendet. Der Arbeiter-Radfahrverein bekam noch am Tage der Einweihung die Aufforderung, an keiner öffentlichen Veranstaltung mehr teilzunehmen. Er wurde verboten und löste sich auf.

Auch für die SPD war das Ende der politischen Tätigkeit gekommen. Nach der Gleichschaltung aller Parteien hörte sie auf zu bestehen. Im Frühjahr 1933 stellte sich die SPD noch einmal zur Wahl. Das war aber nicht mehr unter ihrem ursprünglichen Namen möglich. Unter der Leitung führender SPD-Mitglieder wurde noch einmal eine „Liste der werktätigen Bevölkerung" zur Wahl eingereicht. Fünf Mitglieder zogen trotz des Drucks der NSDAP in den Gemeinderat ein. Für Gaste fehlen leider entsprechende Aufzeichnungen.

In den Jahren darauf war keinerlei politische Tätigkeit der SPD mehr möglich. Ihre maßgeblichen Persönlichkeiten standen unter laufender Beobachtung der Gestapo. So wurden zum Beispiel zwei ehemalige Mitglieder der SPD, die sich zufällig trafen und nur kurze Zeit auf der Straße unterhielten, verwarnt, das „Politisieren" zu unterlassen, sonst werde man ihnen andernorts Gelegenheit dazu bieten. Was das bedeutete, mussten einige SPD-Mitglieder am eigenen Leibe erfahren, denn sie wurden verhaftet und in das Arbeitserziehungslager Ohrbeck eingewiesen oder zur Moorkultivierung ins Emsland geschickt. Glücklicherweise überstanden alle diese gelegentlichen „Ausflüge".